Marius KellerVIEW PROFILE →
Neue Klasse rollt an: BMW startet in München die Serienproduktion des elektrischen i3 mit bis zu 916 Kilometern Reichweite
Seit dem 6. August läuft im Münchner Stammwerk der neue BMW i3 vom Band, die erste Limousine auf der Plattform der Neuen Klasse. Nach vier Jahren Umbau wird das Werk 2027 zum reinen E-Auto-Standort, und der i3 fährt in der Topversion bis zu 916 Kilometer weit.
Im Münchner Stammwerk von BMW hat eine neue Ära begonnen. Seit dem 6. August 2026 läuft dort die Serienproduktion des vollelektrischen BMW i3, der ersten klassischen Limousine auf der Architektur der sogenannten Neuen Klasse. Für BMW ist es ein Meilenstein, der den Umbau des Traditionskonzerns hin zur Elektromobilität sichtbar macht.
Der neue i3 ist bereits das zweite Modell der Neuen Klasse, das in Serie geht. Den Anfang hatte das SUV iX3 gemacht, das schon vor dem Produktionsstart des i3 auf mehr als 50.000 Bestellungen kam. Mit der Limousine folgt nun ein Fahrzeug, das direkt in der Tradition der 3er-Reihe steht, die in München bereits seit 1975 gebaut wird.
Der Serienstart im Stammwerk
Der Produktionsstart ist das Ergebnis eines gewaltigen Umbaus. Vier Jahre lang wurde das Münchner Werk umgebaut, digitalisiert und flexibler gemacht, um die neue Fahrzeuggeneration fertigen zu können. Bemerkenswert ist, dass die reguläre Produktion mit bis zu 1.000 Fahrzeugen pro Tag während der gesamten Bauphase ununterbrochen weiterlief.
Der Umbau hat sich für den Konzern auch wirtschaftlich gelohnt. Durch neue Strukturen und eine stärkere Automatisierung konnte BMW die Kosten in der Produktion um rund zehn Prozent senken. Das Werk in München, das seit über 100 Jahren Autos baut und in dem bereits mehr als neun Millionen 3er entstanden sind, präsentiert sich damit deutlich moderner und effizienter.
Technik und Reichweite

Das Herzstück des neuen i3 ist seine Reichweite. In der Topversion i3 50 xDrive schafft die Limousine nach WLTP-Norm bis zu 916 Kilometer mit einer Akkuladung, ein Spitzenwert im Segment. Möglich macht das ein großer Akku mit einer Kapazität von 109 Kilowattstunden, der auf zylindrische Rundzellen der sechsten Generation setzt.
Auch bei Leistung und Ladetempo legt BMW nach. Der i3 50 xDrive leistet 345 Kilowatt und stellt ein Drehmoment von 645 Newtonmetern bereit. Dank einer 800-Volt-Architektur lädt der Wagen mit bis zu 350 Kilowatt, was unter optimalen Bedingungen rund 300 Kilometer Reichweite in weniger als zehn Minuten nachladen soll.
Die neuen Rundzellen der sechsten Generation gelten als technologischer Kern der Neuen Klasse. Sie bieten laut BMW eine um etwa 20 Prozent höhere Energiedichte und ermöglichen je nach Modell bis zu 30 Prozent mehr Reichweite. Der Verbrauch des i3 liegt zwischen 13,4 und 16,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, ein für diese Fahrzeugklasse effizienter Wert.
Ein Werk im Wandel
Der i3 ist auch ein Sinnbild für die neue Lieferkette des Konzerns. Die Hochvoltbatterien der sechsten Generation kommen aus dem bayerischen Irlbach-Straßkirchen, der Elektromotor wird im österreichischen Steyr gefertigt, und das Aluminiumgehäuse stammt aus der Gießerei in Landshut. So verteilt sich die Wertschöpfung des Autos auf mehrere BMW-Standorte.
Der Serienstart des i3 ist zugleich ein Wendepunkt für das Stammwerk. Ab 2027 soll in München ausschließlich vollelektrisch produziert werden, nachdem der Standort über Jahrzehnte für Verbrennungsmotoren stand. Weitere Modelle der Neuen Klasse sollen folgen, sodass das Werk schrittweise komplett auf die Fertigung von E-Autos umgestellt wird.
Was das für BMW bedeutet
Beim Preis positioniert BMW den i3 im oberen Segment. Die First Edition ist seit Juni ab 75.340 Euro erhältlich, während die reguläre Version ab etwa 65.000 Euro im September starten soll. Die Auslieferungen der Limousine an die Kundschaft sind für den Herbst 2026 geplant, kurz nach dem Anlauf der Serienfertigung im Stammwerk.
Der Zeitpunkt ist heikel und zugleich vielversprechend. In Deutschland erreichten reine Elektroautos zuletzt einen Rekordanteil an den Neuzulassungen, während die etablierten Hersteller zugleich unter dem wachsenden Druck chinesischer Anbieter stehen. Ein reichweitenstarkes, in Deutschland gebautes E-Auto soll BMW helfen, in diesem Wettbewerb zu bestehen.
Für BMW ist die Neue Klasse mehr als nur eine neue Modellreihe. Sie bündelt die zentralen Zukunftswetten des Konzerns, von der eigenen Batterietechnik über die 800-Volt-Architektur bis zu einer neuen, digitaleren Produktion. Der i3 ist damit das Modell, an dem sich zeigen muss, ob diese milliardenschwere Strategie tatsächlich aufgeht.
Ob der neue i3 zum Erfolg wird, entscheidet nun der Markt. Die hohen Reichweiten und Ladeleistungen sprechen für das Auto, doch der Preis liegt klar über dem vieler Konkurrenten, gerade aus China. Mit dem Serienstart in München hat BMW jedoch bewiesen, dass der Konzern seine ambitionierte Elektrooffensive termingerecht ins Rollen bringt.






