Marius KellerVIEW PROFILE →
Stabil, aber gespalten: Was der Oldtimer-Markt 2026 ueber deutsche Klassiker verraet
Jenseits von Elektroauto und China-Debatte gibt es ein Stueck Autowelt, das eigenen Regeln folgt: der Markt fuer Klassiker und Youngtimer. Wir schauen anhand veroeffentlichter Zahlen, wie stabil er 2026 wirklich ist, welche Modelle gewinnen und warum sich die Schere immer weiter oeffnet.
Wenn ueber die deutsche Autowelt gesprochen wird, geht es 2026 fast immer um dieselben Themen: Elektroautos, den Druck aus China, Stellenabbau bei den Zulieferern. Doch es gibt einen Teil dieser Welt, der sich um all das erstaunlich wenig kuemmert und seinen eigenen, viel ruhigeren Regeln folgt: den Markt fuer Klassiker und Youngtimer.
In diesem Beitrag schauen wir uns diesen besonderen Markt genauer an. Wie stabil ist er 2026 wirklich, welche Fahrzeuge legen im Wert zu und welche verlieren, und warum sich die Schere zwischen begehrten Ikonen und dem breiten Durchschnitt immer weiter oeffnet? Wir stuetzen uns dabei durchgehend auf bereits veroeffentlichte Zahlen und Indizes.
Ein Index, der langsamer steigt als die Inflation
Der wichtigste Gradmesser ist der Deutsche Oldtimer-Index, kurz DOX, den classic-analytics fuer den Verband der Automobilindustrie erhebt. Zum 1. Januar 2025 erreichte er laut den veroeffentlichten Zahlen einen Stand von 2.985 Punkten, ein Plus von 1,85 Prozent gegenueber dem Vorjahr. Das klingt solide, liegt aber erneut unter der Inflationsrate.
Wer Klassiker also als kurzfristige Geldanlage betrachtet, wird 2026 eher enttaeuscht. Langfristig sieht die Bilanz freilich anders aus: Seit dem Start im Jahr 1999 bei 1.000 Punkten hat der Index um rund 198 Prozent zugelegt, im Mittel also etwa 5,6 Prozent pro Jahr. Die grossen Spruenge von einst sind allerdings vorerst vorbei.
Die Schere geht immer weiter auf

Der eigentlich spannende Punkt versteckt sich hinter dem Durchschnitt. Denn der Markt bewegt sich 2026 alles andere als einheitlich. Laut den veroeffentlichten Zahlen legten die zehn wertstaerksten Fahrzeuge im Index zuletzt im Mittel um beeindruckende 18,5 Prozent zu, waehrend die zehn schwaechsten im Schnitt um 4,4 Prozent nachgaben.
Der Markt ist damit insgesamt zwar wertstabil, aber deutlich differenzierter als noch vor wenigen Jahren. Seltene Exoten und gesuchte Nischenmodelle gewinnen weiter an Bedeutung, waehrend viele etablierte, in grosser Stueckzahl gebaute deutsche Klassiker zunehmend unter Druck geraten und mancherorts sogar guenstiger werden.
Youngtimer erobern den Markt
Eine der groessten Verschiebungen kommt von den juengeren Fahrzeugen. In Deutschland sind laut den veroeffentlichten Zahlen rund 5,6 Millionen Pkw als Youngtimer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren zugelassen, waehrend die Zahl der klassischen Oldtimer jenseits der 30 Jahre bei ueber 335.000 liegt.
Diese Youngtimer sortieren den Klassiker-Markt gerade leise neu. Ihr Anteil am gesamten Sammlermarkt wird auf rund 37 Prozent beziffert, und Modelle aus den 1980er und 1990er Jahren, die lange nur als gebrauchte Alltagsautos galten, werden inzwischen quer durch alle Fahrzeugklassen neu bewertet und zunehmend gesammelt.
Welche Modelle die Gewinner sind
Wie stark diese Neubewertung ausfaellt, zeigen einzelne Modelle sehr deutlich. Der Honda NSX der ersten Generation hat laut den veroeffentlichten Angaben in den vergangenen Jahren rund 42 Prozent an Wert gewonnen, der Mercedes-Benz 500 E auf Basis der Baureihe W124 seit 2021 sogar etwa 41 Prozent.
Auch klassische Sammlerlieblinge halten sich gut. Der BMW M3 der Baureihe E30 hat sich vom sportlichen Gebrauchtwagen laengst zur anerkannten Ikone gewandelt, und das luftgekuehlte Porsche 911 G-Modell gilt weiter als vergleichsweise stabile Anlage, allein schon deshalb, weil solche Motoren so nicht mehr gebaut werden.
Worauf es beim Wert wirklich ankommt
Ob ein Fahrzeug am Ende zu den Gewinnern gehoert, entscheidet sich immer staerker am Detail. Originalitaet, Zustand und eine lueckenlose Historie spielen heute eine groessere Rolle denn je. Autos mit vollstaendiger Dokumentation und moeglichst originalem Zustand erzielen deutlich hoehere Preise als vergleichbare Exemplare mit Umbauten oder Maengeln in der Restaurierung.
Zugleich mahnen Beobachter zur Vorsicht. Bei den gefragtesten Modellen hat die gestiegene Nachfrage teils dazu gefuehrt, dass der tatsaechliche Fahrzeugzustand im Preis nicht mehr ausreichend abgebildet wird. Wer kauft, sollte also genauer hinsehen als je zuvor und sich nicht allein von einem klangvollen Namen leiten lassen.
Was das fuer 2026 bedeutet
Fuegt man all diese Zahlen zusammen, ergibt sich ein klares Bild: Der Klassiker-Markt ist 2026 erwachsen geworden. Er waechst nicht mehr im Rausch, sondern in ruhigen Schritten, belohnt Qualitaet und Seltenheit und bestraft Beliebigkeit. Aus einem Spielfeld fuer schnelle Renditen ist ein Markt mit sehr langem Atem geworden.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieses Jahres. Wer einen Oldtimer kauft, sollte es 2026 vor allem aus Leidenschaft tun und nicht in erster Linie als Investment. Die schoensten Autos der Vergangenheit behalten ihren Wert oft nicht wegen einer Kurve im Index, sondern weil Menschen sie lieben, pflegen und weiterhin auf die Strasse bringen.






